Hermann Harry Schmitz –
Die neue Hängung

Hermann Harry Schmitz wird am 12. Juli 1880 als Sohn des Fabrikangestellten Friedrich Schmitz und seiner Frau Caroline in Düsseldorf geboren. Von deren insgesamt sieben Kinder überschreiten nur drei das Alter von drei Jahren – Christian Robert, Cornelia Berta und der jüngste, Hermann.

Der frühe Tod seiner Geschwister, zu bald gefolgt von dem seiner Mutter 1896, zu der er eine besondere Zuneigung empfand, beeinflussen seine Entwicklung nachhaltig. Gleiches gilt für das erfolgsorientierte Vorbild seines Vaters.

Im Alter von 15 Jahren macht sich ein Lungenleiden bei Hermann bemerkbar und ein Erholungsurlaub wird ärztlich empfohlen. Im November 1896 reist er Richtung Korsika, macht zuvor jedoch einen Abstecher nach Paris und genießt die Zeit im Zentrum der Belle Époque.

Später, in Marseille, attestiert ihm ein Lungenspezialist Schwindsucht, doch Hermann erholt sich einigermaßen und kann nach Deutschland zurückkehren, wo er im Juni 1898 die Schule abschließt. Auf väterliches Drängen beginnt er eine kaufmännische Ausbildung im Piedbœuf’schen Röhrenwerk in Düsseldorf-Eller, wo sein Vater Fabrikdirektor ist. Doch Hermanns wirkliche Leidenschaft gilt dem Schreiben!

Im Widerspruch zu Pflichterfüllung und Sachzwängen in seiner kaufmännischen Tätigkeit flüchtet er sich in die Literatur des Ästhetizismus und der Décadence. Er schreibt auf die Rückseiten von Geschäftsbögen, legt sich – inspiriert vom Düsseldorfer Schriftsteller Heinrich Heine (1797 – 1856) – den zweiten Vornamen Harry zu.

Die Literatur hilft ihm, den grauen Büroalltag zu ertragen. Er schließt die Lehre ab, wenngleich er zunehmend ein Doppelleben führt. In das Nachtleben von Düsseldorf taucht er ein, verkehrt mit Künstlern und Malern, wird außerordentliches Mitglied des akademischen Vereins Laetitia, wo einige seiner Stücke aufgeführt werden.

1906 veröffentlicht er seine erste Groteske in einem Münchner Satireblatt. Nachdem dann der Feuilletonredakteur Victor M. Mai auf ihn aufmerksam wird, erscheinen seine Werke auch regelmäßig im Düsseldorfer General-Anzeiger. 1911 wird sein erstes Buch Der Säugling und andere Tragikomödien im Verlag von Ernst Rowohlt publiziert.

Schließlich driften seine beiden Lebenswelten zwischen der Röhrenfabrik in Eller und der Literatur der Bohème so sehr auseinander, dass Hermann Harry die ungeliebte Bürotätigkeit aufgibt, um sich ganz dem Schreiben zu widmen.

Seit seinem Lungenleiden als Jugendlicher ist er indes eigentlich nie mehr richtig gesund. Unzählige Aufenthalte in Sanatorien und zur Kur sollen seinen Nerven helfen, aber Erkrankungen und Operationen häufen sich. Bis 1913 wird der Pessimismus zu Schmitz’ dauerhaftem Begleiter.

Am 8. August setzt er während eines Erholungsaufenthalts in Bad Münster am Stein mit Hilfe einer Browning seinem Leben ein Ende. Auf dem Düsseldorfer Nordfriedhof findet Hermann Harry Schmitz seine letzte Ruhe. Das Grab wurde mittlerweile eingeebnet.

Text: Nathalie Krall, M.A.

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